Interview

"Was wir brauchen, sind Photoniker"

Die 1982 gegründete Firma LASER COMPONENTS mit ihrem Hauptsitz in Olching bei München beschäftigt über 100 Mitarbeiter weltweit an 9 Standorten. Zur Entwicklung des Unternehmens und der Branche gab Geschäftführer Patrick Paul Auskunft:

Sie führen ein Unternehmen, das auch eine eigene Entwicklung und Produktion aufgebaut hat. Wo sehen Sie für das Unternehmen den stärksten Markt?

Die Absatzmärkte verteilen sich für uns eigentlich recht regelmäßig. Wir haben natürlich aufgrund unserer jahrzehntelangen Präsenz hier im deutschsprachigen Raum eine sehr starke Bindung an den Heimatmarkt. In USA sind wir eher noch ‚Newcomer‘, dort sind wir erst seit zehn Jahren wirklich im Vertrieb aktiv. Unsere Marke und die Produkte müssen dort bekannter werden und die Tatsache, dass wir auch Hersteller der Produkte sind. Asien ist natürlich ein sehr großer Markt. Allerdings ist dort die Nachfrage nach Spezialkomponenten geringer als im deutschen Markt.

Sie benötigen gut geschulte Mitarbeiter, vom Allroundern bis hin zu Spezialisten, wie Sie sagen. Wie decken Sie diesen Fachkräftebedarf, wenn jeder eigentlich über Fachkräftemangel klagt?

Wir nehmen den Fachkräftemangel auch wahr. Deshalb versuchen wir, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und einen Stamm an langjährigen Mitarbeitern aufzubauen. Um Fachkräfte zu aquirieren, gehen wir verschiedene Wege. Hierfür arbeiten wir zum einen eng mit ortsansässigen Gremien zusammen und beteiligen uns aktiv an der Ausbildung. Zum anderen nutzen wir die Möglichkeit, Vorträge an Universitäten zu halten, Bachelor- und Masterarbeiten zu vergeben und Praktika anzubieten. Diese jungen Fachkräfte versuchen wir nach Möglichkeit dann auch weiter zu beschäftigen. Die Ausbildung als solche im dualen Ausbildungssystem macht uns etwas mehr Sorgen, da z.B. der klassische Feinoptiker aus unserer Sicht nur einen kleinen Teil der Qualifikationsanforderungen abdeckt. Wir bräuchten eher so etwas, wie einen Photoniker. Es kommt darauf an, ausgebildete Fachkräfte zu haben, die den heutigen Anforderungen entsprechen, d.h. angepasste Ausbildungsberufe zu definieren und in diesen auszubilden.

Welches war für Sie persönlich die spannendste Entwicklung in den letzten 5 Jahren?

Im Bereich der Lasertechnik war dies sicherlich die Entwicklung des Faserlasers, wie schnell es der Faserlaser geschafft hat, sich aus dem wissenschaftlichen Bereich heraus in der modernen Produktion als Werkzeug zu etablieren, in der Zuverlässigkeit und Kosten eine große Rolle spielen.
Aus Unternehmersicht ist es sicherlich spannend gewesen, Markttrends vorhersehen zu müssen, sich als Händler darauf einzustellen und für das Unternehmen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, um den eingeschlagenen Wachstumskurs nicht verlassen zu müssen. Das ist uns bisher gelungen.

Was treibt Sie persönlich an?

Das unternehmerische Denken, das mich mein Vater gelehrt hat. Es beschäftigt mich permanent, was man anders machen, welche Felder man noch betreten könnte. Ich sehe es als positiven Anreiz, Dinge gestalten zu können und auch die Entwicklung der Mitarbeiter zu sehen. Es ist für mich auch Bestätigung, wenn ich sehe, wie sich Mitarbeiter mit dem Unternehmen mit entwickeln, sich hier niederlassen, ihr Leben aufbauen und gestalten und gern zur Arbeit kommen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.
 
Die Fragen stellte Sylvia Kaschke (Redaktion PHOTONIK)

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Die 1982 gegründete Firma LASER COMPONENTS mit ihrem Hauptsitz in Olching bei München beschäftigt über 180 Mitarbeiter weltweit an 9 Standorten. Die Firma vertreibt rund 55 000 Produkte von über 50 Herstellern und liefert auch aus eigener Produktion, die in Deutschland, USA und Kanada angesiedelt ist. Zum Portfolio der Eigenproduktion gehören u.a. Sphären und Plansubstrate von der Stange bis zur Laserpolitur, CNC gesteuerte Prozesse und Prototypenfertigung innerhalb weniger Tage. Auch kundenspezifische Beschichtungen wie Sputter-Beschichtungen (IBS), IAD-Beschichtungen (Ion assisteddeposition) und PVD-Beschichtungen (E-Beam) werden angeboten. In entsprechende Beschichtungstechnologien wurde investiert. Der Gesamtjahresumsatz des mittelständischen Familienbetriebs beträgt über 32 Mio. Euro. Weltweit erwirtschaftet die Firmengruppe einen Umsatz größer 55 Mio. US$. Zu den Geschäftspartnern zählen inzwischen mehr als 7000 Kunden weltweit.
Das Unternehmen ist nun in den USA weiter expandiert. Seit Beginn des Jahres werden am Standort Phoenix, Arizona auch PbS/PbSe-Detektoren entwickelt und gefertigt, bei der LASER COMPONENTS Detectors Group. Eine signifikante Investition in IR-Technologien wurde bereits seit einiger Zeit beobachtet, IR-Detektoren verschiedenster Technologien angeboten und kundenspezifische Lösungen gefunden. Erst im Sommer 2014 erfolgte der Zukauf der Microwatt Applications, LLC; spezialisiert auf pyroelektrische LTO und DLaTGS Detektoren, firmiert das Unternehmen nun unter der LASER COMPONENTS Pyro Group.

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