Forschung & Entwicklung

Thüringer Forschungspreis: Kampf gegen resistente Keime

Für einen Schnelltest zur Erkennung von Infektionserregern und deren Antibiotikaresistenzen wurde ein Team des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien, der Friedrich-Schiller-Universität und des Universitätsklinikums Jena in der Kategorie Angewandte Forschung mit dem Thüringer Forschungspreis 2019 ausgezeichnet.

Immer öfter infizieren sich Menschen mit Keimen, gegen die verfügbare Antibiotika nicht mehr helfen. Solche resistenten Keime gefährden Menschen weltweit. Denn sie könnten dazu führen, dass von Krankheiten, die heute gut zu behandeln sind, in naher Zukunft wieder eine tödliche Gefahr ausgeht und scheinbar einfache Routineeingriffe zum unkalkulierbaren Risiko werden. Die Ursache ist ein Teufelskreis: Weil es an schnellen Verfahren für die Diagnose fehlt, werden Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen unter Zeitdruck zunächst mit Breitband- oder Reserveantibiotika behandelt. In der Folge treten immer mehr Resistenzen auf, auch gegen Reserveantibiotika. Diese Substanzen werden zunehmend wirkungslos — und die Resistenzlage verschärft sich weiter.

Ein Wissenschaftlerteam des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), der Friedrich-Schiller-Universität und des Universitätsklinikums Jena hat eine Lösung erforscht mit dem Potenzial, die Infektionsdiagnostik zu revolutionieren: Einen laserbasierten Schnelltest, der Ärzten in kürzester Zeit die entscheidenden Informationen liefert, um mit der optimalen Behandlung zu starten. Mit dem RamanBioAssay können Bakterien und Resistenzen innerhalb von 3 Stunden diagnostiziert werden. Bei derzeit angewandten mikrobiologischen Verfahren müssen Mediziner bis zu 3 Tage auf das Ergebnis warten.

Die Alternative der Jenaer Forscher ist schnell, kostengünstig und universell einsetzbar: Ein Chip, der ein Labor ersetzt. Wenige Tropfen einer Patientenprobe genügen, damit Ärzte Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen einfach ablesen können.

„Eine potenziell lebensrettende Entwicklung. Mit Potenzial sowohl für den einzelnen Patienten als auch für das Gesundheitssystem“, urteilt Professor Michael Bauer, der am Uniklinikum Jena die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin leitet.

Das Forscherteam am Leibniz-IPHT arbeitet bereits an einem tragbaren System. „Unser Ansporn ist es, nun die nächsten Schritte zu gehen und Ärzten ein Mittel an die Hand zu geben, das sie dort einsetzen können, wo es am meisten gebraucht wird: in der patientennahen Diagnostik“, sagt Professor Jürgen Popp, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-IPHT und des Instituts für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. So könnte der Schnelltest Ärzten auf dem Land, wo keine Klinik in der Nähe ist, zu einer präzisen Diagnose und ihren Patienten zu einer passenden Behandlung verhelfen. Und bei lebensbedrohlich erkrankten Patienten in der Klinik, für die jede Minute zählt, erspart es den zeitaufwändigen Probentransport ins Labor.

Für den Chip, der Leben retten kann, wurde das Jenaer Forscherteam 2018 mit dem 3. Preis des Berthold-Leibinger-Innovationspreises ausgezeichnet. Er hat zudem bereits zur Gründung der Firma Biophotonics Diagnostics geführt. Das Potenzial ist groß. Die weitere Ausbreitung von Resistenzen wird durch passgenaue Therapien eingedämmt und in den Gesundheitssystemen werden erhebliche Kosten eingespart.

Mit dem Thüringer Forschungspreis ehrt das Land Thüringen seit 1995 einmal im Jahr Spitzenleistungen in der Forschung an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Landes. Ausgezeichnet werden Arbeiten der Grundlagen- und der angewandten Forschung mit einem Preisgeld von insgesamt 50 000 Euro. Über die Vergabe entscheidet eine Jury aus erfahrenen Wissenschaftlern aus ganz Deutschland.

von mn

www.leibniz-ipht.de

www.uni-jena.de

www.uniklinikum-jena.de

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