Forschung & Entwicklung

Optisches Quantengatter: Photon steuert Photon

Photonen können üblicherweise nicht miteinander interagieren. Durch die Kopplung von Photonen an Rydberg-Atome und die starke Wechselwirkung zwischen diesen Atomen, ließ sich erstmals eine hocheffektive Wechselwirkung zwischen einzelnen Photonen herstellen.

Seit den 2000er Jahren versuchen Wissenschaftler, Rydberg-Atome für die Verarbeitung von Quanteninformationen mit Photonen einzusetzen. Jetzt ist Forschern vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ) ein entscheidender Schritt in diese Richtung gelungen.

Da Rydberg-Atome stark miteinander wechselwirken, sind diese hervorragend geeignet, um Quanteninformationen zu verarbeiten. Die Forscher versuchen diese bekannte starke Wechselwirkung zwischen Rydberg-Atomen auf Licht zu übertragen und auf diesem Weg eine logische Operation zwischen zwei Photonen zu implementieren. Dieses kontrollierte Verfahren ist notwendig, um Quanteninformationen innerhalb eines Quantennetzwerks korrekt verarbeiten zu können.

Die Kontrolle über Licht und dessen Eigenschaften spiele in der modernen Welt eine immer bedeutendere Rolle. Heutige Alltagsanwendungen reichten von der Medizin über die Materialbearbeitung bis hin zur schnellen Datenübertragung. Ein aktuelles Forschungsziel sei es daher, Licht auf dem Niveau einzelner Photonen ähnlich umfassend kontrollieren zu können, führt Steffen Schmidt-Eberle vom MPQ aus.

Mit Photonen können Informationen besonders schnell ausgetauscht werden und sie erreichen hohe Bandbreiten. Das ist der Grund, warum optische Technologien heutzutage bereits standardmäßig für den Austausch von Daten im Internet eingesetzt werden. Auch zukünftige Quantentechnologien werden voraussichtlich auf diese besonderen Eigenschaften von Photonen setzen, um Quantenzustände und damit Quanteninformationen zwischen verschiedenen Knoten zu übertragen.

Erste Versuche, Photonen nicht nur für die Übertragung, sondern auch für die Verarbeitung von Information zu nutzen, scheiterten allerdings daran, dass Lichtpulse von selbst nicht miteinander interagieren. Die Forscher am MPQ haben dieses Problem nun gelöst, indem sie die Photonen an Rydberg-Atome koppeln. Mithilfe der starken Wechselwirkung zwischen den Rydberg-Atomen ist es ihnen erstmals gelungen, eine effektive Wechselwirkung für Photonen herzustellen und schließlich ein Quantengatter zwischen zwei Photonen zu realisieren. Ein solches Quantengatter kann in einem zukünftigen Quantencomputer oder -netzwerk eine ähnliche Rolle wie die CPU in einem klassischen Computer spielen.

Die Forscher gehen im Photon-Photon-Quantengatter-Experiment wie folgt vor: Zunächst erzeugen sie eine ein Mikrokelvin kalte Atomwolke und speichern darin ein erstes Photon. Durch diese Atomwolke senden sie nun ein zweites Photon. Im Anschluss lesen sie das erste Photon aus und messen die Polarisation beider Photonen. Dabei ist der Einfluss des ersten Photons auf das zweite so stark, dass die Polarisation des zweiten Photons abhängig von der Polarisation des ersten Photons um 90 Grad gedreht wird.

Die Herausforderung bestand darin, die Drehung nicht davon abhängig zu machen, ob das erste Photon eingestrahlt wird oder nicht, sondern davon, welche Polarisation es hat. Um dies zu erreichen, war es für die Forscher entscheidend, geeignete atomare Zustände zu identifizieren, an welche die Photonen gekoppelt werden können, und diese Kopplung dann technisch zu implementieren.

„Die Erzeugung der effektiven Wechselwirkung zwischen Photonen mittels Rydberg-Atomen ist ein junges, dynamisches Gebiet, das es ermöglicht, optische Nichtlinearität auf dem Niveau einzelner Photonen zu demonstrieren. Die Realisierung eines Quantengatters ist ein entscheidender Meilenstein in der Entwicklung dieses Gebiets, der zeigt, dass die Eigenschaften eines Photons durch den Einfluss nur eines anderen Photons maximal verändert werden“, meint Stephan Dürr.

Die Wissenschaftler vom MPQ konnten erstmals den Beweis erbringen, dass die Verarbeitung von Quanteninformationen zwischen Photonen mit Rydberg-Systemen überhaupt möglich ist. Das ist ein entscheidender Schritt, um in der Folge ein hocheffizientes Photon-Photon-Quantengatter entwickeln zu können.

von mn

Originalveröffentlichung:

[D. Tiarks, S. Schmidt-Eberle, T. Stolz, G. Rempe, S. Dürr, A Photon-Photon Quantum Gate Based on Rydberg Interactions, Nat. Phys. (2018), DOI: 10.1038/s41567-018-0313-7]

www.mpq.mpg.de

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