SPECTARIS aktuell

RoHS: Neue Ausnahmen, Verlängerungen und Ausschlüsse

Nach jahrelanger Evaluation von Anträgen zur Verlängerung von Ausnahmenregelungen von den RoHS-Richtlinien (Restriction of Hazardous Substances) hat die Europäische Kommission - um ein Jahr verspätet - im Juli 2017 die ersten Entscheidungen veröffentlicht. Darunter sind auch die erneut bewilligten Ausnahmeregelungen für optische Gläser und Filter. Diese Ausnahmen laufen nun bis Juli 2021 – zwei Unterkategorien sogar bis 2023 bzw. 2024 (s. Tabelle).

Der Industrieverband SPECTARIS hatte in Kooperation mit internationalen Partnern die entsprechenden wissenschaftlich belegten Ausnahmeanträge ausgearbeitet. Nach zweijähriger Arbeit wurden die Anträge im November 2014 eingereicht. Die Dokumente verdeutlichten, dass optische Gläser und Filter mit Blei oder Cadmium sehr gut verstandene Hochleistungsmaterialien sind. Technisches Glas besitzt eine Kombination von optischen, mechanischen und thermischen Eigenschaften, welche mit anderen Materialien nicht zu erzielen sind. So ermöglichen die ausgezeichneten Charakteristika optischer Gläser und Filter eine hochauflösende Endoskopie und Mikroskopie, wodurch jedes Jahr unzähligen Menschen das Leben gerettet wird. Dies spiegelt wider, wie wichtig diese Materialien in unserem im alltäglichen Leben sind.

Obwohl die neuen Ausnahmeregelungen Meilensteine darstellen, sind die administrativen Hürden für die optischen Technologien noch nicht vollständig abgebaut, sondern sie steigen eher noch. Ohne begründete Notwendigkeit hat die Kommission eine Aufsplittung der Filterausnahmen eingeführt. So wird aus Filter-Ausnahmeregelung 13(b) nun 13(b)-(I), 13(b)-(II) und 13b-(III). Unternehmen, die optische Filter produzieren und verwenden, müssen ihre RoHS-Kategorisierung entsprechend erneuern. Abhängig vom Produktportfolio kann dies tausende Artikelnummern betreffen, was signifikante Kosten nach sich zieht. Alle europäischen Unternehmen müssen die geänderten Ausnahmeregelungen bis zum 06. Juli 2018 implementieren.

Grundsätzlich ist ein unbefristeter Ausschluss („exclusion“) aus den RoHS-Richtlinien möglich. Während die Ausnahmeregelungen immer nur führ vier bis sieben Jahre gewährt werden, wäre ein Ausschluss aus den RoHS-Richtlinien permanent. Die Hersteller von Orgelpfeifen zeigen, dass dies möglich ist. Mit der Begründung eines kulturellen Verlustes und einem finanziellen Schaden für die Branche von 65 Mrd. € pro Jahr überzeugten sie die Kommission und errangen eine permanente Ausnahme für Orgelpfeifen.

In der nächsten Entscheidungsrunde setzt SPECTARIS sich dafür ein,  auch die optischen Gläser und Filter permanent von den RoHS-Restriktionen zu befreien.

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