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Namen & Nachrichten Photonik in der Infektionsforschung

Der Wissenschaftsrat bewertete die Pläne für das „Leibniz-Zentrum für Photonik in der Infektionsforschung“ (LPI) in Jena als sehr positiv.

Ab 2018 könnte ein nutzeroffenes Zentrum entstehen, an dem photonische Lösungen für Diagnostik, Monitoring und experimentelle Therapie bei Infektionen erforscht und mit der Industrie zu funktionstauglichen Lösungen entwickelt werden. Der Wissenschaftsrat hebt in seiner Bewertung den Photonik-Ansatz hervor, der weltweit zu einer verbesserten Diagnostik und Therapie führen könnte – insbesondere bei multiresistenten Erregern. Das Bewertungsverfahren soll dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) als Entscheidungsgrundlage für die Aufnahme in die Nationale Roadmap, dem Programm für Großforschungsprojekte der Bundesregierung, in der kommenden Legislaturperiode dienen. Gemeinsam beantragt wurde das LPI vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena e.V. (Leibniz-IPHT), dem Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) sowie dem Universitätsklinikum Jena und der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Schirmherrschaft der Leibniz-Gemeinschaft.

Durch die Verbindung photonischer Methoden mit der Infektionsforschung entstehen am LPI diagnostische Ansätze und gezielte Therapieverfahren, welche direkt in die Anwendung und industrielle Produktion übertragen werden. Das Ziel ist insbesondere die Zusammenführung von Diagnostik und Therapie – die sogenannte Theragnostik. Nach Einschätzung des Wissenschaftsrats kann das LPI so „die Pathogendiagnostik weltweit revolutionieren“ und ein „enormes Potenzial für die Entwicklung neuartiger Technologien, neuer Sensoren und Messtechniken sowie neuer Leitstrukturen“ bieten.

Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, sieht gerade im starken Anwendungsbezug den besonderen Charme des Vorhabens: „Das LPI schließt die in Deutschland noch bestehenden Lücken in der Translation von Forschungsergebnissen und verkürzt die Zeit bis zur Markteinführung drastisch. Bisher vergehen im Durchschnitt 14 Jahre bis wissenschaftliche Ergebnisse in Form von Medizinprodukten Patienten zu Gute kommen. Die Verkürzung dieses Zeitraums durch das LPI wird ein großer Fortschritt sein.“

Das gemeinsame Forschungsvorhaben soll in einem Neubau auf dem Gelände des Universitätsklinikums Jena realisiert werden. Mit seinem disziplinübergreifenden Ansatz bedient das LPI nach Ansicht des Wissenschaftsrats einen sehr breiten Nutzerkreis in der Wissenschaft. Darüber hinaus bestehe ein sehr großes Interesse seitens der Wirtschaft. Als Plattform, die prinzipiell allen Nutzern offen steht, regelt das Leibniz-Zentrum den Zugang über ein Peer-Review-Verfahren, das die wissenschaftliche Exzellenz der vorgeschlagenen Projekte bewertet. Der wissenschaftliche Nachwuchs werde durch das Master-Programm „Medizinische Photonik“ und durch Doktoranden-Programme angezogen. Auch für etablierte Wissenschaftler und klinisches Personal sei das LPI ein attraktives Umfeld.

Konkret kombiniert das LPI unter einem Dach die Forschungsansätze der beiden Leibniz-Forschungsverbünde „Leibniz Gesundheitstechnologien“ und „Infections‘21“ mit denen des in Jena ansässigen InfectoGnostics Forschungscampus, einer öffentlich-privaten Partnerschaft, die bereits erfolgreich Produkte für die Infektionsdiagnostik auf den Markt bringen konnte. Ebenso fließt die Erfahrung aus „InfectControl2020“ ein – ein in Jena für ganz Ostdeutschland koordiniertes BMBF-Projekt.

Das LPI soll in drei Phasen entstehen: Nach der derzeit schon laufenden Vorbereitungsphase (2016-2018) schließt sich eine Realisierungsphase an (2019-2023) und wird von einer Betriebsphase zur Nutzung und Verstetigung (2024-2033) abgeschlossen. Mit einer endgültigen Entscheidung und Veröffentlichung der Nationalen Roadmap durch das BMBF ist Anfang 2018 zu rechnen.

www.leibniz-ipht.de

www.leibniz-hki.de

www.uniklinikum-jena.de

www.uni-jena.de

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