Forschung & Entwicklung

Millionenfach schnellerer Wechsel von zirkular polarisierten Lichtpulsen

Am Speicherring BESSY II konnte gezeigt werden, wie sich die Helizität von zirkular polarisierter Synchrotronstrahlung bis zu einer Million Mal schneller als bisher umschalten lässt. Der ultraschnelle Wechsel der Lichthelizität ist vor allem für Untersuchungen von Prozessen in magnetischen Materialien interessant.

Eine der Besonderheiten von Synchrotronstrahlung ist die Polarisation: Mit speziellen elliptischen Undulatoren können linear aber auch zirkular polarisierte Lichtpulse erzeugt werden. Magnetische Strukturen in Materialien reagieren unterschiedlich auf zirkular polarisiertes Licht: Je nachdem, ob die Helizität der Röntgenpulse rechts- oder linksdrehend ist, absorbieren sie diese Strahlung mehr oder weniger. Dies nutzt man in sogenannten XMCD-Experimenten (X-ray Circular Dichroism) aus, um statische aber auch dynamische Veränderungen in magnetischen Materialien zu untersuchen oder auch magnetische Nanostrukturen auf Oberflächen abzubilden.

Insbesondere für solche abbildenden Verfahren wünscht sich die Nutzergemeinde an Synchrotronstrahlungsquellen seit langem die Möglichkeit die Helizität des Lichts schnell umzuschalten; vor Allem weil sich daraus direkt ein magnetischer Bildkontrast ergibt, der zum Beispiel Bits in magnetischen Datenspeichern sichtbar und quantifizierbar macht.

In den für BESSY II typischen elliptischen Undulatoren (APPLE II) wird die Helizität des Lichts durch eine mechanische Verschiebung von meterlangen Anordnungen von starken Permanentmagneten geschaltet, ein Vorgang, der teilweise Minuten dauert.

Die neue Methode basiert dagegen auf der Kombination solcher Undulatoren mit einem speziellen Orbit des Elektronenstrahls im Speicherring - der durch die sogenannten TRIBs (transverse resonance island buckets) erzeugt wird. Die TRIBs hatte Dr. Paul Goslawski vom Helmholtz Zentrum Berlin (HZB) erstmals an BESSY II experimentell untersucht. Während der Weg der Elektronen im Speicherring sich normalerweise nach einem Umlauf schließt, laufen im TRIBs-Modus die Elektronen bei aufeinanderfolgenden Umläufen auf verschiedenen Bahnen und können so Röntgenpulse von jeweils anderen Magnetfeldanordnungen emittieren. Diese Idee geht auf Dr. Karsten Holldack und Dr. Johannes Bahrdt zurück.

Dass sie tatsächlich funktioniert, konnten Holldack und Bahrdt kürzlich mithilfe des vorhandenen Doppelundulators UE56-2 bei BESSY II im Rahmen eines Pilotexperiments zeigen: Beim Durchgang durch eine speziell vorbereitete Magnetanordnung dieses Doppelundulators gaben in der Tat die Elektronenpakete aus unterschiedlichen Bahnen im TRIBs-Modus Röntgenphotonen mit derselben Wellenlänge aber entgegengesetzter zirkularer Polarisation ab.

Dadurch können nun prinzipiell XMCD-Signale von magnetischen Proben im Zeitabstand von nur einer Mikrosekunde mit abwechselnd rechts- und dann linkszirkular polarisierten Lichtpulsen untersucht werden. Im Pilotexperiment wurden die XMCD-Signale von einer magnetischen Probe (Nickel in Permalloy) von Umlauf zu Umlauf detektiert und der schnelle (MHz) Helizitätswechsel konnte eindeutig nachgewiesen werden.

Mit neuen, für diesen Zweck maßgeschneiderten, Undulatoren könnten bei BESSY II im TRIBs-Modus spezielle Beamlines mit ultraschnellem Helizitätswechsel angeboten werden. Perspektisch sind sogar Wechsel im Nanosekundenabstand denkbar. „Dass die TRIBs-Entwicklung mit den Two-Orbits jetzt auch noch ganz neue Experimente an BESSY II ermöglicht, freut uns sehr“, sagt Goslawski.

v on mn

Originalveröffentlichung:

[K. Holldack, C. Schüßler-Langeheine, P. Goslawski, N. Pontius, T. Kachel, F. Armborst, M. Ries, A. Schälicke, M. Scheer, W. Frentrup, J. Bahrdt, Flipping the helicity of X-rays from an undulator at unprecedented speed, Communications Physics 3 (2020), DOI: 10.1038/s42005-020-0331-5]

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