Editorial

Hohe Leucht- und Pixeldichte

Eigentlich folgt die Bildschirmtechnik einem Trend, der den Entwicklungstendenzen des Gerätebaus entgegenläuft. Während Wearables, wie smarte Uhren oder Headsets, immer handlicher werden und sich mit wenig elektrischer Leistung begnügen, streben die Displayhersteller nach Größe, Leuchtdichte, Farbtiefe, Brillanz. In den Endverbrauchermärkten sind diese Parameter gefragt, doch mit ihnen wachsen auch Preis und Energiebedarf der Produkte. Eine Ausnahme sind miniaturisierte Anzeigen, Mikrobildschirme, die sich als sogenannte Head-Mounted-Displays in Konsumgeräten etablieren, aber mit den Anwendungen für virtuelle und Augmented-Realität auch in der Indus­trie, Fahrzeugtechnik und Medizin verbreiten.

Je kleiner und sparsamer diese Displays werden, um so attraktiver auch ihr Einsatz in künftigen Mensch-Maschine-Schnitt­stellen. Während Licht modulierende – reflexive oder transmissive – Anzeigetechniken zusätzliche Lichtquellen oder etwa Spiegel brauchen, die wiederum Bauraum und Energie kosten, sind Licht emittierende Displays, beispielsweise mit OLEDs, vergleichsweise klein und sparsam realisierbar. Hinsichtlich Leuchtdichte und Wirkungsgrad macht eine Technologie namens ‚MicroLED‘ auf sich aufmerksam, die gut skalierbar und auch für die hohen Pixeldichten in Head-up-Displays geeignet sein soll. Lesen Sie mehr dazu ab Seite 42 in diesem Heft.

Ein Charakteristikum der Mikrodisplays im Allgemeinen ist die Integration der gesamten Treiberelektronik – für jeweils drei Leuchtdioden je Bildpunkt – in ein Halbleitersub­strat. MicroLEDs haben den Vorteil, dass sie in einem sogenannten GaN-on-Silicon-Prozess hergestellt werden: Galliumnitrid auf Silizium anstelle der herkömmlichen Saphirwafer. Dieser ist kompatibel mit der gängigen CMOS-Halbleitertechnologie und deshalb für eine monolithische Fertigung geeignet: Er erübrigt das schwierige Ausrichten von LED-Chip (mit Saphir) und Siliziumsub­strat und verbessert so die Ausbeute der Produktion.

Neben den hellen Minianzeigen mit hoher Pixeldichte möchte ich Ihnen auch in dieser Ausgabe unseren Spezialteil ‚biophotonik‘ ans Herz legen. Hierin erfahren Sie unter anderem, wie Analysesysteme für die Durchflusszytometrie von modularen, variablen multispektralen Laserstrahlquellen profitieren und wie die Integration einer 561-nm-Linie mit direkter Modulation bis hin zu Megahertzfrequenzen in eine Mehrfarblaserquelle gelang.

Im Namen meines ‚photonik‘-Redaktions­teams wünsche ich Ihnen eine interessante Lektüre unserer neuen Ausgabe.

Herzlichst

Ihr

Dr. Matthias Laasch

Chefredakteur

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