Editorial

Glasfasern: vom Datenkabel bis zum Sensor

Beim Stichwort Glasfaser denken vermutlich viele zunächst an die breitbandige Telekommunikation. Vom Breitbandausbau ist häufig zu lesen – ebenfalls, dass dieser nicht mit der von vielen gewünschten Geschwindigkeit vorangetrieben wird. Von einem flächendeckenden Glasfasernetz ist Deutschland noch weit entfernt. Dennoch liegt die Zukunft in der Datenautobahn Glasfaserkabel. Mit Licht lassen sich nun mal die höchsten Übertragungsgeschwindigkeiten erzielen. Neben der Netzinfrastruktur bestehen dabei weitere Herausforderungen in der Erzeugung der Lichtsignale für eine extrem schnelle Übertragung und in der effizienten und kostengünstigen Kopplung des Signals in Glasfasern, die für die Hochgeschwindigkeitskommunikation geeignet sind. In unserer Forschungsmeldung auf Seite 28 erfahren Sie beispielsweise, wie mittels neuer Faserkopplertechnologie die 50-Gigabaud-Glasfaserleitung Realität werden soll.

Glasfasern dienen heutzutage aber längst nicht mehr alleine der Informationsübertragung. An die Grenzen der Belastbarkeit werden Glasfasern beim Laserschweißen gebracht: Um einen hochintensiven Laserstrahl am Werkstück einzusetzen, wird oft eine Glasfaser zur Strahlführung genutzt. Gefährlich wird es, wenn die Faser unerwartet beschädigt wird und Strahlung an der Bruchstelle austritt. Im schlimmsten Fall werden Menschen verletzt. Wie sich dieses Risiko auf ein Minimum reduzieren lässt, erfahren Sie in unserem Fachbeitrag ab Seite 50. Eine spezielle Sicherheitsfaser kann hier die Lösung sein.

Ein weiteres wachsendes Anwendungsfeld von Glasfasern ist die Sensorik. Neue Technologien erlauben es, die gesamte Faser als Sensor zu nutzen, um verschiedenste physikalische Größen in unmittelbarer Umgebung der Faser zu messen. Und das bei einer extrem hohen Messempfindlichkeit und Ortsauflösung über die gesamte Faserstrecke. Der Fachbeitrag ab Seite 58 zeigt die Möglichkeiten, die Glasfasern heute als Sensoren bieten und wo potenzielle Anwendungsfelder liegen.

Nicht als Sensor selbst, sondern als Sensorkopf wird die Glasfaser in unserem Titelthema ab Seite 52 eingesetzt. Hier erfahren Sie, wie ein neuartiger optischer Distanzsensor in einem kompakten Sensor­kopf realisiert wurde. Anwendungen in der industriellen Prozesskontrolle unter schwierigen Bedingungen sind damit leichter umzusetzen oder überhaupt erst machbar.

Viel Vergnügen mit der neuen Ausgabe wünscht Ihnen Ihr

Dr. Matthias Gerlach

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