Forschung & Entwicklung

Fingerabdrücke kontaktlos sichtbar machen

Ein Start-up aus Koblenz entwickelt einen Laserscanner für die berührungslose Aufnahme von Fingerabdrücken auf Gegenständen und findet Industriepartner.

Das Start-up Scanovis aus Koblenz hat den Prototyp eines Laser-Scanners gebaut, der latente Fingerabdrücke berührungslos sichtbar macht. Der Scanner nutzt Infrarot-Spektroskopie: Die Intensität des reflektierten Infrarot-Lichts ist dort, wo sich Fingerspurenfett befindet, geringer als an anderen Stellen der Spur. Die Reflexionen des Lasers werden in einem Detektor analysiert und die Signale in ein Bild umgerechnet. Die Bilder haben eine Auflösung von 30 Mikrometern. Der Prototyp funktioniert auf nicht-saugenden, ebenen Oberflächen.

Experten suchen seit den 1970er Jahren nach Wegen, um ohne Berührung Fingerspuren sichtbar zu machen. Heute werden die Spuren aus Fingerspurenfett normalerweise mit adhesiven Pulvern oder anderen Chemikalien behandelt. Diese Methoden sind fehleranfällig und holen nicht alle Informationen aus einer Spur heraus. Am häufigsten werden Spuren mit schwarzen Pulvern eingepinselt. Das kann zu Wischern auf der Spur führen. Eine weitere Fehlerquelle liegt in der Übertragung von Spuren auf Spurenkarten mit Klebefolie. Andere gängige Methoden sind die Behandlung der Abdrücke mit mit Ninhydrin oder Cyanoacrelat. Sie können die Qualität von DNA- und Blut oder Drogenspuren verschlechtern. 

Das deutsche Forschungsprojekt DigiDak sollte eine Methode finden, die adhesive Pulver oder Chemikalien vermeidet. Es wurde jedoch 2015 ohne durchschlagenden Erfolg beendet. Scanovis ist dies nun mit ihrem Prototyp gelungen.

Das Start-up einigte sich vor kurzem grundsätzlich mit dem Gerätehersteller Askion aus Gera auf die gemeinsame Serienfertigung des Scanners. Sie wollen zusammen ein Seriengerät entwickeln, das gewölbte und raue Oberflächen scannen kann. Die Flächen sollen auch größer sein als beim Prototyp.

Scanovis sucht nach Partnern, vor allem nach kriminaltechnischen Laboren, mit denen die Technik getestet und weiterentwickelt werden kann. Das Start-up sucht zudem nach Investoren, um die Entwicklung einer mobilen Version des Scanners zu finanzieren.

Auch im Bereich der Medizin- und der Messtechnik könnte die Technik viel Potenzial haben. Der Scanner kann die genaue Lage von sehr vielen Substanzen auf den meisten Oberflächen bestimmen. Bisher gibt es zum Beispiel noch keine schnelle Methode, um zu überprüfen, ob ein Operationssaal wirklich sauber ist.

www.scanovis.com

von mg

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