Forschung & Entwicklung

Bislang verborgene Prozesse im Gehirn sichtbar

Mit einer haarfeinen endoskopischen Fasersonde ist es gelungen, Einblicke in schwer zugängliche Hirnregionen zu erlangen.

Durch eine einzelne optische Faser werden hochaufgelöste Bilder der tief liegenden Hirnregionen lebendiger Mäuse übertragen. Indem sie mit einer neuartigen holografischen Methode die Ausbreitung des Lichts in der multimodalen Glasfaser steuern, erforschten die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena und der Universität Edinburgh ein kompaktes System zur Fluoreszenzbildgebung, das in doppelter Hinsicht einen Fortschritt markiert: So ist ihr Werkzeug nicht nur deutlich kleiner als die üblichen, auf Gradientenindex-Linsen oder Faserbündeln basierenden Endoskopen, es erzielt auch eine höhere Auflösung.  

„Erstmals haben wir gezeigt, dass es möglich ist, tiefe Hirnregionen eines lebenden Tiers minimal-invasiv zu untersuchen und gleichzeitig hochauflösende Bilder zu erhalten“, erklärt Dr. Ivo T. Leite. Der Wissenschaftler gehört der neu gegründeten Arbeitsgruppe für holografische Endoskopie um IPHT-Wissenschaftler Tomáš Čižmár an, der das holografische Verfahren zur Bildgebung durch eine einzige Faser entwickelte. Auf diese Weise ist es seinem Team nun gelungen, Bilder von Gehirnzellen und neuronalen Prozessen im visuellen Kortex und Hippocampus zu erhalten. Detaillierte Beobachtungen in diesen Bereichen sind entscheidend, um die Sinneswahrnehmung zu erforschen, herauszufinden, wie sich Erinnerungen bilden und wie schwere neuronale Erkrankungen wie Alzheimer entstehen.

Neuronale Netzwerke in diesen inneren Regionen bei der Arbeit zu beobachten, ist mit derzeitigen Untersuchungsmethoden nicht möglich, ohne das umgebende Gewebe schwer zur schädigen. Zu groß sind die üblichen Endoskopen mit ihrem Bündel aus hunderten Glasfasern, um in diese empfindlichen Hirnregionen vorzudringen — und zu winzig wiederum die neuronalen Strukturen, um sie mit nicht-invasiven bildgebenden Verfahren wie etwa der Magnetresonanztomographie sichtbar zu machen.

Neurowissenschaftlern eröffnet das Verfahren neue Möglichkeiten, um zu erforschen, was im Gehirn von Tieren passiert, während diese ihrerseits gerade ihre Umgebung erkunden oder eine neue Aufgabe erlernen. „Wir können die Aktivität der neuronalen Schaltkreise offenlegen, ohne ihre Aktivität zu stören“, erläutert Projektpartnerin Dr. Nathalie Rochefort von der Universität Edinburgh. Prof. Tomáš Čižmár vom Leibniz-IPHT sieht sich durch die Ergebnisse bestärkt, weiter daran zu arbeiten, moderne Mikroskopietechniken für den Einsatz in den Neurowissenschaften zu erschließen, um mit ihrer Hilfe besser zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert.

von mn

Originalveröffentlichung:

[S. Turtaev, I. T. Leite, T. Altwegg-Boussac, J. M. P. Pakan, N. L. Rochefort, T. Čižmár, High-fidelity multimode fibre-based endoscopy for deep brain in vivo imaging, Light: Sci. Appl. 7 (2018), DOI: 10.1038/s41377-018-0094-x ]

www.leibniz-ipht.de

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