Forschung & Entwicklung

Archäologen erforschen Antike mit Laserscanning

Mithilfe von Airborne Laserscanning zur Erfassung und Kartierung lassen sich Stätten des Altertums zerstörungsfrei untersuchen.

Das zerstörungsfreie Verfahren Airborne Laserscanning (ALS), das ein Gelände präzise und berührungsfrei zur Kartierung erfasst und in einem 3-D-Modell darstellt, liefert Archäologen völlig neue Erkenntnisse zu antiken Stätten. Über den Einsatz der neuen Fernerkundungsmethode in der antiken Stadt Gerasa in Jordanien berichten Prof. Achim Lichtenberger von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und seine dänische Fachkollegin Prof. Dr. Rubina Raja von der Universität Aarhus. Das in der Archäologie Erfolg versprechende ALS-Verfahren ermöglicht vor allem neue Erkenntnisse zur Rekonstruktion antiker Gegebenheiten in dicht besiedelten urbanen Räumen, die sich zugleich rasant entwickeln.

Für die Forschungen legten Wissenschaftler die aus der Luft aufgenommenen Laserscan-Bilder der jordanischen Grabungsstätte über historische Luftbilder, die ältesten von 1917. So konnten sie topografische Besonderheiten und Veränderungen vergleichen und den Altbestand auf ein präzises Geländemodell projizieren. So wurden zum Beispiel Wasserleitungen auf den Bildern entdeckt, von denen man bislang nichts wusste. Dank ALS kann in etwa gesagt werden, wo und wie in der Antike die Wasserversorgung erfolgte. Die Forscher fanden zudem zahlreiche Hinweise auf antike Strukturen in Gerasa wie die Position der Stadtmauern, die noch nie zuvor in dieser Präzision kartiert worden waren.

Die Neuigkeit des Ansatzes besteht in der Verbindung mehrerer Quellen und deren Daten: einerseits Luftbilder aus dem Ersten Weltkrieg, zum zweiten das moderne millimetergenaue 3-D-Laserscanning und darüber hinaus Daten aus verstreuten archäologischen Ausgrabungen. Damit lasse sich eine sehr genaue Karte einer ganzen antiken Stadt erstellen, betont der Archäologe Achim Lichtenberger.

Gerasa galt als besonders geeignet für ALS, weil es sich um einen stark und schnell wachsenden Wirtschafts- und Sozialraum handelt. Hinzu kommt, dass das Areal viele Jahrhunderte zwischen Spätantike und Moderne gar nicht oder äußerst dünn besiedelt war. Dies hatte zur Folge, dass große Teile der antiken Stadt zunächst vor Zerstörung und Überbauung bewahrt wurden. Gleichzeitig drohten aber durch die urbane Expansion der letzten Jahrzehnte auch dort archäologische Merkmale, die Zeugnis der Antike ablegen, verloren zu gehen.

Für Grabungsplanungen der Zukunft und den Umgang mit dem weltweiten Kulturerbe erhoffen sich Achim Lichtenberger und seine Kollegen neue Impulse von der ALS-Methode, denn in vielen Teilen der Welt stellen Bevölkerungswachstum und Klimawandel ein akutes Risiko für Kulturerbe-Stätten dar

Originalveröffentlichung:

[D. Stott, S. Munch Kristiansen, A. Lichtenberger, R. Raja, Mapping an ancient city with a century of remotely sensed data, PNAS (2018), DOI 10.1073/pnas.1721509115]

von mn

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