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Forschung & Entwicklung Alzheimerdiagnose per Augenscan

Ein nichtinvasiver Augenscan könnte die eindeutige Diagnose für Alzheimer ermöglichen, und das bereits Jahre bevor der Patient erste Symptome zeigt.

Neurowissenschaftler am US-amerikanischen Cedars-Sinai Medical Center, Los Angeles, Kalifornien, fanden heraus, dass Alzheimer die Netzhaut schädigt. Und zwar in sehr ähnlicher Weise, wie die Krankheit das Gehirn angreift. Mithilfe eines hochauflösenden Augenscanners, der speziell für diese Studie entwickelt wurde, entdeckten die Wissenschaftler den entscheidenden Hinweis auf Alzheimer:  schädliche Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid. Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Netzhaut möglichweise als verlässliche Quelle zur Alzheimerdiagnose herangezogen werden kann. Der große Vorteil der Netzhautuntersuchung ist die Wiederholbarkeit: Patienten können überwacht werden und so auch das Fortschreiten ihrer Erkrankung, hoffen die Wissenschaftler.

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war die Entdeckung von Amyloid-Ablagerungen in bislang unberücksichtigten Regionen am Randbereich der Netzhaut. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Menge an Ablagerungen in der Netzhaut mit der Menge in spezifischen Regionen des Gehirns korrelierte. Für die Untersuchungen wurden klinische Tests an 16 Alzheimerpatienten durchgeführt. Dazu mussten die Probanden eine mit dem pflanzlichen Wirkstoff Kurkuma versehene Lösung trinken. Kurkuma führt dazu, dass Beta-Amyloid-Ablagerungen bei einem Scan der Netzhaut sichtbar werden. Die Entdeckung birgt Hoffnung auf eine frühe Diagnose, wenn eine Behandlung durch Medikamente und Änderungen in der Lebensweise noch am effektivsten sei.

Jahrzehntelang konnte Alzheimer nur zweifelsfrei diagnostiziert werden, wenn das Gehirn nach dem Tode des Patienten untersucht wurde. In den vergangenen Jahren stützten sich Ärzte auf die Aufnahmen des Gehirns an lebenden Patienten mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie, um Hinweise auf die Krankheit zu erhalten. Diese Technologie ist jedoch teuer und invasiv, da dem Patienten radioaktive Markersubstanzen injiziert werden müssen.

Um eine kostengünstigere und weniger invasive Methode zu finden, kooperierte das Cedars-Sinai Medical Center mit NeuroVision Imaging, LLC, Sacramento, USA, der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation, der University of Southern California und der University of California, Los Angeles, um ihren Ansatz auf Untersuchungen am Menschen zu übertragen.

Originalveröffentlichung:

[Y. Koronyo et al., Retinal amyloid pathology and proof-of-concept imaging trial in Alzheimer’s disease, JCI Insight 2 (2017), DOI:10.1172/jci.insight.93621]

 www.csmc.edu

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