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Forschung & Entwicklung 3D-Darstellung der Zellstruktur im Auge

Mithilfe einer Weiterentwicklung der optischen Kohärenztomografie wird der Einblick in die zellulären Vorgänge im Auge vereinfacht und somit eine noch genauere Diagnose ermöglicht.

Die optische Kohärenztomografie (OCT) funktioniert ähnlich wie die Ultraschalltechnik, jedoch berührungslos mit Licht, und macht hochauflösende Schnittbilder von biologischem Gewebe. Sie ist ein Live-Bildgebungsverfahren, mit dessen Hilfe Erkrankungen der Netzhaut frühzeitig erkannt werden können, wie etwa die altersbedingte Makuladegeneration, diabetesbedingte Erkrankungen, Glaukom oder Gefäßverschlüsse. Um allerdings die zelluläre Auflösung der Netzhaut und damit noch bessere Ergebnisse zu erhalten, musste man bisher teure, adaptive Optiken verwenden, die die dabei auftretenden Bildfehler korrigieren.

Mit der neuen Methode Line Field-OCT können Korrekturen digital durchgeführt werden. Die eingesetzte Linienbeleuchtung ermöglicht sehr schnelle Bildraten. Bildfehler werden über das gesamte dreidimensionale Volumen der Netzhaut korrigiert. Die Linienbeleuchtung funktioniert ähnlich wie ein Scanner – ein Lichtstreifen „scannt“ das Auge. Einzelne Photorezeptoren, kapillare Blutgefäße und einzelne Nervenfasern in derselben Aufnahme können dabei dargestellt werden. Zudem ist eine Refokussierung möglich, eine Neuausrichtung und digitale Nachbearbeitung der erhaltenen Bilddaten.

Mit der neuen Methode könnten auch andere Gebiete in der medizinischen Diagnostik – etwa in der Dermatologie zur Früherkennung von Hautkrebs, in der Chirurgie oder in der Zahnheilkunde – erschlossen werden.

Die Line Field-OCT wurde im Rahmen des Christian Doppler-Labors für Innovative Optische Bildgebung und deren Translation in die Medizin (OPTRAMED) an der MedUni Wien entwickelt. Gemeinsam mit dem Unternehmenspartner Carl Zeiss Meditec soll die neue Technologie in naher Zukunft auf den Markt gebracht werden. Dazu sind aber noch weitere klinische Studien nötig.

Originalveröffentlichung:

[L. Ginner, A. Kumar, D. Fechtig, L .Wurster, M. Salas, M. Pircher, R. Leitgeb, Noniterative digital aberration correction for cellular resolution retinal optical coherence tomography in vivo, Optica Volume 4 (2017), DOI: 10.1364/OPTICA.4.000924]

www.meduniwien.ac.at

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