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Bildverarbeitungs-Konjunktur in Deutschland und Europa
11.07.2012
Die deutsche BV-Industrie erreichte 2011 mit einem Umsatzplus von 20% einen Rekordumsatz von 1,5 Mrd. €, wie vom VDMA prognostiziert. Schon 2010 wurde mit +32% der bisher höchste Zuwachs erreicht. Die Beschäftigung stieg 2011 um 12%. Die Aussichten sind derzeit in Deutschland etwas besser als im übrigen Europa.

Die Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) führte im Zeitraum vom 2. bis 5. Juli eine Blitzumfrage zur aktuellen Konjunktur in der europäischen Bildverarbeitungsindustrie durch. 72 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage, davon 30 aus Deutschland und 42 aus anderen europäischen Ländern.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Auftragseingänge in der europäischen Bildverarbeitungsindustrie im ersten Halbjahr 2012 überwiegend im positiven Bereich lagen. 16% der befragten Unternehmen (im gewichteten Mittelwert) gaben an, dass die im ersten Halbjahr 2012 erhaltenen Auftragseingänge um 5 bis 10% über dem Wert des Vorjahreszeitraums lagen. Ein deutliches Plus von mehr als 20% konnten 22% der Unternehmen verzeichnen. Die Anzahl der Antworten mit negativen Werten bei den Auftragseingängen hingegen war deutlich geringer.
Und die Prognosen sehen unverändert gut aus: Falls makroökonomische Schocks ausbleiben, rechnet der VDMA für die deutsche Bildverarbeitung 2012 mit einem weiteren Umsatzplus von 5% auf dann 1,6 Mrd. €, zumal erste Anzeichen für erhöhte Auftragseingänge von zyklischen Anwenderbranchen für das zweite Halbjahr auf eine Fortsetzung des moderaten Wachstums hindeuten. So erwarten auch die meisten Unternehmen für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum im Bereich von 5 bis 10%. Über 30% der Antworten (gewichtet) gingen von einem Umsatzwachstum >10% aus.
Für die weiterhin positiven konjunkturellen Aussichten spricht ebenfalls die Absicht von 41% der europäischen Unternehmen, die Beschäftigtenzahl in den kommenden sechs Monaten weiter auszuweiten, während 59% konstante Mitarbeiterzahlen erwarten und bei 0% mit einem Abbau gerechnet wird.
Allerdings wuchs der deutsche BV-Inlandsmarkt 2011 mit 21% sogar geringfügig stärker als die Exporte (+19%), während Wachstumsimpulse in den Vorjahren verstärkt aus dem Ausland gekommen waren. Durch die starke Exportorientierung der deutschen Industrie dürften im Inlandsgeschäft größere Anteile indirekter Exporte enthalten sein, z.B. durch exportierte Investitionsgüter mit integrierter Bildverarbeitung. Direkte Exporte ins europäische Ausland stiegen mit knapp 9% deutlich unterproportional. Als Folge sank bei den deutschen BV-Unternehmen der Umsatzanteil der europäischen Exportmärkte von fast 25% auf gut 22%.
Der Abstand zur zweitgrößten Exportregion Asien (mit einem Anteil von nun 17%) verringert sich damit weiter. Sollte diese Entwicklung anhalten, so wird Asien die europäischen Absatzmärkte in naher Zukunft übertreffen. Die drittgrößte Exportregion – Nord- und Südamerika – wuchs 2011 am stärksten und erreicht nun wieder einen Anteil von gut 13%. Die Exportquote insgesamt bleibt recht stabil bei etwa 53%, besitzt allerdings im Vergleich zum deutschen Maschinen- und Anlagenbau, der etwa 75% seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, noch Luft nach oben.
Im Produktmix konnten in den vergangenen Jahren hoch integrierte Kompaktsysteme wie intelligente Kameras und Vision-Sensoren weit überdurchschnittliche Zuwächse verbuchen. Die vereinzelt getroffene Voraussage, dass Kompaktsysteme in absehbarer Zeit komplexe anwendungsspezifische Systeme ablösen würden, ist aber nicht eingetreten: 2011 wuchsen die komplexen Systeme mit +30% wieder deutlich schneller als die Kompaktsysteme (+17%). Mit 38% Anteil am Branchenumsatz liegen die komplexen Systeme weit vor den Kompaktsystemen, die 2011 einen Anteil von nur 8% erreichten. Dies liegt zum einen an den niedrigeren Preisen intelligenter Kameras, zum anderen aber auch an weiterhin steigenden Anforderungen an die Leistungsfähigkeit, die in vielen Fällen nur von komplexen Systemen erfüllt werden können. Dennoch erschließen sich die preiswerteren Kompaktsysteme bei steigender Leistungsfähigkeit zunehmend neue Märkte, so dass von einer weiteren Koexistenz beider Lösungsansätze auszugehen ist.
Kameras bildeten die Produktkategorie mit dem zweithöchsten Umsatzvolumen, das 2011 um 17% wuchs und 31% des Gesamtumsatzes erreichte. Im Trend liegen CMOS-Sensoren mit höherer Auflösung, Farbkameras, standardisierte Schnittstellen zur leichteren Kamera-Integration und die Bilderfassung im nicht sichtbaren Lichtspektrum.
Ein überarbeiteter VDMA Branchenführer Industrielle Bildverarbeitung soll zur internationalen Leitmesse VISION 2012 (6.–8. November in Stuttgart) erscheinen.
Photonik NL14/2012
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