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Aus den Unternehmen
90 Jahre Befort
24.04.2012
Das drittälteste noch bestehende Optik-Unternehmen in der Region Wetzlar feiert dieses Jahr sein 90. Jubiläum.

1922 wurde die „Ernst Befort Optische Werkstätte“ in Wetzlar gegründet. Heute firmiert das Familienunternehmen in dritter Generation unter dem Namen Befort Wetzlar OHG. Die Geschichte des Unternehmens ist eng mit der „Stadt der Optik“ verbunden und beginnt mit dem Firmengründer Ernst Befort, der in jungen Jahren seine Ausbildung zum Mikrofotografen bei den Leitz-Werken machte. Nach Ende des Ersten Weltkriegs kehrte er mit eigenen Ideen an seinen Arbeitsplatz zurück und notierte Anfang der 1920er-Jahre in sein Tagebuch: „In einem alten Raume richtete ich mir ein kleines Laboratorium ein und machte meine Versuche für Teilungen und Verspiegelungen.“ Die ersten Kunden hießen Hensoldt und Erdmann. Der Werkraum und das Labor wurden bald zu klein. „Nach langem Hin und Her bekam ich doch von meinem Vater Erlaubnis zum Bebauen bzw. Anbau eines Raumes an unser Wohnhaus“, heißt es in einem Eintrag aus dem Gründungsjahr 1922.
1927 kaufte Befort ein Grundstück für eine neue Werkstatt, die zwei Jahre später die Fertigung von Mikroskopspiegeln, Strichplatten und Feinteilungen auf optischen Substraten aufnahm. 1948 war Ernst Befort Vorreiter bei der Beschichtung feinoptischer Bauteile. Das Geld für technische Ideen und Investitionen sparte er sich mühsam zusammen. Trotz der wirtschaftlichen Achterbahnfahrten und politischen Wirren von der Weltwirtschaftskrise bis zum Kriegsende bewies er einen langen Atem und hielt verantwortungsbewusst an seinen Mitarbeitern fest. Sein Sohn schrieb später: „Es war sicher auch eine Art hugenottische Sturköpfigkeit, die meinen Vater und seinen Betrieb vorangetrieben hat.“
Nach mehr als fünfzig Jahren übergab Ernst Befort die Geschäftsführung 1976 an Peter Befort, der aus der „Werkstätte“ ein hochmodernes Unternehmen formte. Gemeinsam mit seinem Vater führt Henner Befort-Riedl seit 2005 das Familienunternehmen in dritter Generation. Im Laufe der Jahre veränderten sich die technischen Anforderungen und Möglichkeiten deutlich. Neben der Fertigung setzt Befort vermehrt auf Entwicklung und Konstruktion. Insgesamt sind heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, 80% davon sind hochqualifizierte Facharbeiter, Techniker und Ingenieure.
Für Kunden weltweit entwickelt und fertigt Befort Wetzlar maßgeschneiderte Beschichtungen und Präzisionsoptiken. „Dank hochentwickelter CNC-Technologie sind wir in der Lage, sowohl optische Einzelkomponenten als auch multifunktionale Systeme zu fertigen“, betont Henner Befort-Riedl. Alle Optiken, plan oder sphärisch, verlassen die Produktionshallen erst, wenn sie die exakten Spezifikationen und Qualitätsanforderungen der Kunden erfüllen.
Zur Beschichtung von Substraten stehen mehrere Hochvakuumanlagen sowie eine Ultraschallreinigungs- und Trocknungsanlage zur Verfügung. Die Oberflächenbeschaffenheit wird von hauseigenen Prüflaboren verifiziert. Die feinmechanische Fertigung produziert Objektivgehäuse und bietet komplexe Systemintegration, während sich der 2007 gegründete Unternehmensbereich Optical Design auf anwendungsspezifische opto-mechatronische Systeme spezialisiert hat. Hier werden Ideen geboren und über den Prototypenbau bis zur Nullserie und Serienfertigung ausgearbeitet. Die Produkte findet man in der Sensorik, Mess-, Umwelt- und Lasertechnik, im Maschinenbau sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik.
Peter Befort ist stolz, auf 90 Jahre Optikkompetenz zurück zu blicken und davon bis heute zu profitieren. Aber getreu dem Motto „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Glut“ hat sich Befort Wetzlar auf der langjährigen Erfahrung nicht ausgeruht, sondern immer neue Kompetenzfelder erschlossen.
Photonik NL9/2012
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