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Stimmungsbarometer zur Photonik-Branche

16.08.2010

Nach ihrer persönlichen Sicht auf die Entwicklung der Photonik-Branche befragt, gaben uns Vertreter verschiedener Unternehmen Antwort. Es herrscht überwiegend Aufbruchstimmung aus der Krise. Für die Unternehmen gibt es viel zu tun, aber auch die Politik ist gefragt, mit geeigneten Rahmenbedingungen die Leistungsbereitschaft der Industrie und Forschungseinrichtungen zu unterstützen.

Redaktion: Worin sehen Sie die Stärke der deutschen bzw. europäischen Photonik-Industrie?

Bernhard Willnauer, Geschäftsführer, viaoptic GmbH, Wetzlar: „Hohes Innovationspotential gepaart mit sehr viel Erfahrung und Umsetzungsstärke“

Matthias Pfaff, Business Unit Director Precision Optics, OptoTech Optikmaschinen GmbH, Wettenberg: „F&E spielt hier eine große Rolle. Wenn man nach optischen Lösungen Ausschau hält, wird nach wie vor zunächst in Deutschland gesucht. Hier herrscht der höchste Grad an Innovation und Zusammenarbeit. Großserienfertigung wird aber wohl kaum noch in Europa stattfinden.“

Dr. Kai Dürr, Geschäftsführer, Künemund GmbH, Stuttgart: „Extrem innovative Unternehmen und Technologien im Vergleich zu den weltweiten Wettbewerbern“

Roland Kuijvenhoven, Senior Manager Sales, Ocean Optics, Duiven, NL: „Hohe Qualität, Flexibilität muss aber gesteigert werden“

Dr. Heinrich Endert, Geschäftsführer, Newport Spectra-Physics GmbH, Stahnsdorf: „In der sehr engen Vernetzung von Photonik-Unternehmen und relevanten Forschungs-einrichtungen, was besonders bei einem Vergleich mit den Verhältnissen in den USA auffällt, uns aber als Tochter einer großen US-Firma leider nicht sehr viel nützt, da wir zwar zu 100% als deutsche Firma arbeiten, aber hinsichtlich der Zusammenarbeit in Projekten oft mehr als US-Konkurrent ’gefühlt’ werden.“

Redaktion: Was ist Ihre Vision für die optischen und photonischen Technologien?

Dr. Klaus Mlejnek, Geschäftsführer, Mikrop AG, Wittenbach, Schweiz: „So wie Licht der Treiber für nahezu alle Lebensprozesse ist, werden sich die optischen und photonischen Technologien zum Innovationstreiber für alle für die Zukunft relevanten Technologiefelder (Erneuerbare Energien, Gesundheit, Kommunikation, Mobilität,…) entwickeln.“

Lothar Völker, Industrie-Optik, Vertriebs- und Service-Ingenieur Messgeräte, Jos. Schneider Optische Werke GmbH, Bad Kreuznach: „Wir erwarten eine weitere Zunahme der Bedeutung der Mikrooptik und Nanotechnologie. Auch die OLED-Technologie verspricht zunehmend interessanter zu werden.“

Martin Weihnacht, Vertriebsleiter, Edmund Optics GmbH, Karlsruhe: „Stetige Zunahme Optik-basierter Anwendungen, Durchbruch der THz-Technologie“

Matthias Pfaff, Business Unit Director, OptoTech Optikmaschinen GmbH, Wettenberg: „Die Photonik wir eine weiter wachsende Rolle spielen und auch in andere Teilbereiche des Lebens Einzug halten. Das bedeutet für die in der Photonik tätigen Firmen, dass die Ansprüche hinsichtlich der verbauten Optik weiter wachsen. Höhere Komplexitizät, steigende Genauigkeiten, schwierig zu bearbeitende Materialien werden die Herausforderungen der Optikfertigung sei.“

Redaktion: Wo sehen Sie Handlungsbedarf von politischer Seite?

Dr. Bernt Götz, Geschäftsführer, piezosystem jena GmbH, Jena: „Innovative Entwicklungen sind mit hohem Risiko verbunden. Mit Forschungsförderung sollten Unternehmen deshalb unterstützt werden, allerdings mit Erfolgskontrolle. Vorsicht ist dabei auch vor Pauschalisierung und Schlagwörtern geboten, die zu falscher Prioritätensetzung führen können. Förderung würde damit in falsche Richtung gehen und Wettbewerbsfähigkeit behindern.“

Volker Brockmeyer, Executive Vice President, Qioptiq Gruppe, Photonic Systems Division, Göttingen: „Wir würden es begrüßen, wenn die anwendungsnahe Forschung noch stärker von der Politik gefördert würde.“

Dr. Andreas Nitze, Geschäftsführender Gesellschafter, Berliner Glas KGaA, Berlin: „Für die Politik ist die Photonik ein gutes Beispiel für eine gelungene Vernetzung und Ausrichtung, die letztlich zu Umsatzsteigerungen und mehr Arbeitsplätzen geführt hat. Die Optischen Technologien werden auch weiterhin von der Bundesregierung als Schlüsseltechnologie betrachtet. Die bisherige Erfolgsstory kann jedoch nur weitergeführt werden, wenn genügend Fachkräfte in Deutschland und Europa vorhanden sind. Damit spielt neben der Forschungs- auch die Bildungs- und Einwanderungspolitik eine entscheidende Rolle. Hier kann die Politik noch für deutlich bessere Rahmenbedingungen sorgen.“

Redaktion: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das nächste Geschäftsjahr?

Volker Brockmeyer, Executive Vice President, Qioptiq Gruppe, Photonic Systems Division, Göttingen: „Wir erwarten eine stabile Geschäftsentwicklung, mit positiven Signalen in einigen Segmenten, insbesondere aus dem Halbleiterbereich.“

Dr. Heinrich Endert, Geschäftsführer Newport Spectra-Physics GmbH, Stahnsdorf: „Für die Gesamtfirma Newport sehr positiv (v.a. Recovery der Halbleiterindustrie), für die deutsche Niederlassung ist es über die letzten 3 Jahre trotz Krise stetig bergauf gegangen, wir erwarten eine kontinuierliche Fortsetzung.“

Dr. Klaus Mlejnek, Geschäftsführer Mikrop AG, Wittenbach, CH: „Es fällt momentan sehr schwer, eine seriöse Voraussage zu treffen. Alle unsere Kunden fahren sozusagen auf Sicht, d.h. ihre Auftragslage sieht für die nächsten 4-5 Monate gut aus. Prognosen darüber hinaus vermag jedoch keiner zu geben; allerdings gibt es derzeit auch keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Marktsituation.“

Patric Paul, Geschäftsführer Laser Components GmbH, Olching: „Eine anziehende Konjunktur ist erkennbar. Wir erwarten 2011 ein Geschäftsjahr, welches deutlich mehr Auftragseingänge verzeichnet als das vergangene Jahr 2009.“

Bernhard Willnauer Geschäftsführer, viaoptic GmbH, Wetzlar: „Umsatzniveau von 2008 übertreffen, Kostenbremse von 2009 zeigt weiterhin Wirkung“

Photonik 4/2010

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